Frequently Asked Questions (FAQ) Wasserrahmenrichtlinie

 

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Was ist die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und was beinhaltet sie? Was will sie? Wie wird sie umgesetzt?
Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist ein Gesetzeswerk der EU mit klarem Auftrag: Alle unsere Gewässer – vom Grundwasser über die Flüsse und Seen bis hin zu den Küstengewässern – müssen bis 2015 einen “guten Zustand” erreichen.Die Richtlinie soll die Wasserpolitik der EU neu gestalten und verbessern: In Zusammenarbeit sollen die Gewässer über Staats- und Ländergrenzen hinweg innerhalb der Flussgebietseinheiten nachhaltig und ökologisch bewirtschaftet werden, um die Ressource Wasser, die einem Kreislauf unterliegt, für zukünftige Generationen zu sichern.

Grundsätzliche Ziele:

  • Erreichung bzw. Erhaltung eines guten ökologischen und chemischen Zustandes der Oberflächengewässer und des Grundwassers
  • Keine weitere Verschlechterung der Zustände der Gewässer
  • Förderung einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Wasserwirtschaft
  • Verminderung von Schadstoffeinträgen

Im Jahr 2000 ist die Richtlinie in Kraft getreten und ist 2002 und 2004 in nationales Recht umgesetzt worden. Bis Ende 2009 haben die Umweltbehörden der Länder (mithilfe der Gebietskooperationen) Zeit gehabt Pläne für die Bewirtschaftung der Gewässer zu erarbeiten und Maßnahmen aufzustellen, die die Erreichung der WRRL-Ziele möglich machen. Hieran musste die öffentlichkeit aktiv beteiligt werden. In den folgenden 3 Jahren müssen die Pläne umgesetzt werden, um bis 2015 (spätestens jedoch bis 2027) die gesetzten Ziele zu erreichen.

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Welche Umweltziele setzt die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)?

Für Fließgewässer: Ziel ist ein guter ökologischer und chemischer Zustand

  • Alle Oberflächengewässer (Flüsse, Seen, Küstengewässer) müssen bis 2015 in einen ökologisch intakten Zustand gebracht werden.

Der „gute ökologische Zustand“ wird an der Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften von Fischen, Wasserpflanzen, Algen, Wasserinsekten und anderen Kleintieren, gemessen:

  • Tier- und Pflanzenarten, die einmal in den Gewässern vorkamen, müssen zumindest größtenteils wieder vorkommen können.
  • Fließgewässer müssen eine naturnahe Struktur (Gewässermorphologie) zurückerhalten. Veränderungen durch den Menschen wie Uferverbau, Begradigung, Wehre und Staustufen müssen wo möglich zurückgenommen oder angepasst werden.
  • Für alle chemischen Belastungen müssen die Grenzwerte eingehalten werden.
  • Uferbereiche und Flussauen werden mit eingeschlossen, da sie ökologisch untrennbar von den Gewässern sind.

Für Grundwasser: Ziel ist ein guter chemischer und mengenmäßiger Zustand

  • Sämtliche Grenzwerte für belastende Stoffe müssen bis 2015 eingehalten werden.
  • Es darf maximal so viel Wasser entnommen werden wie natürlicherweise nachgebildet wird.

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Welchen Geltungsbereich hat die WRRL?

Einteilung des räumlichen Geltungsbereichs:

  • Größte Einheit ist das Flusseinzugsgebiet (FEG), das alle Gewässer, die in den entsprechenden „Hauptfluss“ (in Niedersachsen: Rhein, Ems, Weser, Elbe) entwässern, umfasst.
  • Mittlere Einheit ist die Einteilung der FEG in Bearbeitungs- oder Teileinzugsgebiete. Für jedes Teileinzugsgebiet wurde ein Runder Tisch (in Niedersachsen auch Gebietskooperation genannt) eingerichtet.
  • Kleinste Einheit ist die Einteilung in Wasserkörper. Ein Wasserkörper ist z.B. ein Abschnitt eines Fließgewässers (wie die Einteilung der Aller in Aller-Quelle, Aller-Oker, Aller-örtze usw.) oder ein See. Auch das Grundwasser ist in Wasserkörper unterteilt.

Geltungsbereich der zu schützenden Güter:

  • Alle Oberflächengewässer sowie das Grundwasser und wasserabhängige Landökosysteme
  • Einzeln in den Bewirtschaftungsplänen aufgeführt werden nur die Wasserkörper ab einer bestimmten Mindestgröße: Fließgewässer ab einem Minimaleinzugsgebiet von 10 km2 und Seen ab einer Mindestgröße von 50 ha.

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Wer ist für die Umsetzung der WRRL verantwortlich?
Alle Mitgliedstaaten der EU haben sich verpflichtet die WRRL umzusetzen. Sie ist eine gesetzliche Vorgabe und wurde 2002 und 2004 in die Bundes- und Länderwassergesetze übernommen.

Sowohl der Naturschutz als auch die Bewirtschaftung der Gewässer sind in Deutschland Ländersache. Daher sind die Umweltministerien der Bundesländer für die Umsetzung der Richtlinie verantwortlich. In Niedersachsen koordiniert der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz) die Umsetzung.

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Wie wird die WRRL umgesetzt?

Bestandsaufnahme und Monitoring

Um die neuen Anforderungen der WRRL zu erfüllen, wurde im Jahre 2004 zunächst mit der so genannten Bestandsaufnahme länderweit der Zustand der Gewässer bestimmt. So konnten zunächst die größten Belastungen und ökologischen Probleme in den Flussgebieten ermittelt werden. Bis Ende 2006 musste ein Monitoringprogramm für jedes Flussgebiet eingerichtet werden, um kontinuierlich den Handlungsbedarf zu ermitteln und später den Erfolg der umgesetzten Maßnahmen überprüfen zu können.

Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme

Aufbauend auf die Ergebnisse der Bestandsaufnahme und des Monitorings mussten als nächstes für jedes Flussgebiet ein Bewirtschaftungsplan (BWP) und ein Maßnahmenprogramm (MP) aufgestellt werden. In diesen Dokumenten legen die Behörden dar, auf welchem Weg sie die Ziele der WRRL erreichen wollen. Der erste Entwurf der Pläne wurde der Bevölkerung im Dezember 2008 zur öffentlichen Anhörung ausgelegt. Bis Juni 2009 konnte jede/r interessierte Bürger/in eine Stellungnahme abgeben und sich dadurch mit einbringen. Daraufhin wurden die Pläne bis Dezember 2009 überarbeitet und am 22.12.2009 in ihrer endgültigen Form veröffentlicht. Sie müssen anschließend der EU-Kommission vorgelegt werden.

Umsetzung der Maßnahmen

In den Jahren 2010-12 erfolgt nun die Umsetzung der Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung der Gewässer. Die Beurteilung der Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen erfolgt durch das kontinuierliche Monitoring des aktuellen Gewässerzustandes. Darauf aufbauend werden anschließend neue BWPs und MPs für den zweiten Bewirtschaftungszyklus aufgestellt.

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Wer ist an der Aufstellung und Durchführung der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme beteiligt?
Die Pläne werden in Niedersachsen durch den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) erarbeitet und aufgestellt. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz. Die Umsetzung der geplanten Maßnahmen koordiniert ebenfalls der NLWKN.

Sowohl die Erarbeitung der Pläne als auch die Umsetzung der Maßnahmen erfolgt in Zusammenarbeit mit den Gebietskooperationen (Runden Tischen) der Teileinzugsgebiete. Die Umsetzung vor Ort erfolgt durch die unteren Naturschutz- und Wasserbehörden, Unterhaltungsverbände, Gemeinden sowie den NLWKN.

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Welche Maßnahmen werden bzw. wurden festgelegt?
In Niedersachsenn wurde bei der Aufstellung der Maßnahmenprogramme auf eine so genannte Angebotsprogrammatik gesetzt. Dies bedeutet, dass bisher keine konkreten, verpflichtenden Maßnahmen formuliert wurden. Stattdessen beinhalten die Pläne grobe Absichtserklärungen über das, was in den nächsten Jahren erreicht werden soll.

Dennoch sollen ab 2010 Maßnahmen umgesetzt werden und zwar vorrangig an Gewässern, die mit verhältnismäßig geringem Aufwand in den guten ökologischen Zustand gebracht werden können.

Ein Entwurf konkreter Maßnahmen an den einzelnen Wasserkörpern, wie ihn andere Bundesländer bereits erstellt haben, würde die Umsetzung der WRRL sicher entscheidend beschleunigen und transparenter machen.

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Wie sieht der Zeitplan zur Umsetzung der WRRL aus?
Bis jetzt ist die WRRL in nationales Recht umgesetzt worden, anschließend hat eine Bewertung der Gewässer stattgefunden, es wurden überwachungsprogramme eingerichtet und Bewirtschaftungspläne (BWP) und Maßnahmenprogramme (MP) wurden aufgestellt.

Von 2010 bis 2012 steht die Phase der Maßnahmenumsetzung an. Anschließend soll bis 2015 die Wirksamkeit der Maßnahmen beurteilt werden. Im Jahr 2015 muss der nächste BWP verfasst werden. Alle Probleme, die bis dahin nicht gelöst werden konnten, müssen bis 2021 erledigt werden. Dann muss ein weiterer BWP aufgestellt werden. Die letztmögliche Frist zur Erreichung der Umweltziele ist das Jahr 2027.

  • 2002: Umsetzung in das Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
  • 2004: Umsetzung in das niedersächsische Wassergesetz (NWG)
  • bis Ende 2004: Erste Bestandsaufnahme / Bewertung der Gewässer
  • bis Ende 2006: Einrichtung der Monitoringnetze
  • 2006: Zeitplan und Arbeitsprogramm
  • 2007: überblick über die wichtigsten Wasserbewirtschaftungsfragen
  • 2006−2009: Aufstellung der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme
    • Entwurf und Veröffentlichung der Pläne und Programme am 22.12.2008
    • Anhörung der öffentlichkeit mit sechsmonatiger Frist zur Stellungnahme zu den Entwürfen (bis 22.6.2009)
  • bis 22.12.2009: Fertigstellung der endgültigen Bewirtschaftungspläne
  • 2009−2012: Umsetzung der Maßnahmen, Monitoring
  • 2013: Zwischenberichte zu den Fortschritten bei der Umsetzung der Maßnahmenprogramme
  • 2015: Erreichen der UmweltzieleAufstellung neuer Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme, insbesondere für die fristverlängerten Gewässer
  • 2021: Ende 1. VerlängerungszeitraumAufstellung neuer Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme
  • 2027: Ende 2. Verlängerungszeitraum und damit auch der WRRL-Umsetzungsphase. Alle Vorgaben müssen erreicht sein.

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Gibt es Ausnahmen für die Zielsetzung der WRRL?
Ja, die hauptsächlichen Ausnahmen sind:

  • Die Ausweisung von so genannten erheblich veränderten Gewässern (HMWB – heavily modified water body) und von künstlichen Gewässern (AWB – artificial water body), für die jeweils verminderte Umweltziele erreicht werden müssen
  • Fristverlängerungen für die Erreichung der Ziele bis ins Jahr 2021 oder sogar 2027 können unter bestimmten Bedingungen beantragt werden
  • Die Festlegung von so genannten verminderten Umweltzielen für einzelne Wasserkörper unter bestimmten Ausnahmebedingungen

Für die Beantragung von Fristverlängerungen muss deutlich begründet werden, warum die Umweltziele im vorgegebenen Zeitrahmen nicht erreicht werden können. Dies gilt z.B. wenn die Zielerreichung technisch unmöglich oder unverhältnismäßig teuer ist. Dies spielt z.B. beim Grundwasser eine Rolle, weil Verbesserungen sich dort überwiegend in relativ großen Zeiträumen von vielen Jahren bemerkbar machen.

Für die Beantragung von verminderten Umweltzielen muss verdeutlicht werden können, dass ein Wasserkörper von einer bestimmten Belastung durch Maßnahmen nicht zu befreien ist. Dies wurde z.B. für das Harzvorland beantragt, dessen Gewässer teilweise aus ehemaligen Halden des jahrhundertealten Bergbaus belastet werden.

a. Inwiefern hat Niedersachsen davon Gebrauch gemacht?

Niedersachsen hat 84% seiner Wasserkörper als HMWB und AWB ausgewiesen. Für über 90% wurden Fristverlängerungen beantragt. Verminderte Umweltziele sind in Niedersachsen bisher für 5 Wasserkörper beantragt worden.

b. Was bedeutet dies für die Umsetzung der Richtlinie?

Neben offensichtlich stark verbauten Gewässern wurden auch Flüsse als HMWB ausgewiesen, die nur relativ gering beeinträchtigt sind und sich mit Maßnahmen durchaus in den guten ökologischen Zustand bringen ließen. Die umfangreiche Ausweisung von HMWBs ist hinsichtlich des abgeschwächten Umweltziels problematisch, da für diese Gewässer lediglich das gute ökologische Potential erreicht werden muss. Dieses ist allerdings bis heute noch nicht definiert worden.

Die Fristverlängerungen sind in diesem großen Umfang eine Enttäuschung für viele Gewässerschützer, weil die konkreten Schritte der WRRL-Umsetzung dadurch in großem Umfang aufgeschoben werden.

Die Beantragung von verminderten Umweltzielen, beispielsweise für einige Harzvorlandgewässer, ist nicht ganz unbegründet, da aus den alten Bergbauhalden noch immer Schwermetalle in die Gewässer gelangen. Allerdings sollten die verminderten Umweltziele nicht dazu führen, dass dort keine Anstrengungen unternommen werden, um die Schwermetalleinträge zu minimieren. Dazu gibt es durchaus zahlreiche Möglichkeiten.

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Was sind erheblich veränderte/künstliche Gewässer (HMWB/AWB)?
HMWBs sind Gewässer, die durch den Menschen in ihrer ganzen oder überwiegenden Länge in erheblicher Weise verändert worden sind. Sind die Veränderungen (z.B. durch Verbau, Begradigung oder Uferbefestigung) an einem Gewässer so umfangreich, dass davon ausgegangen werden muss, dass es nur durch einen extrem hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand oder gar nicht in den guten ökologischen Zustand zu bringen ist, wird es als HMWB ausgewiesen.

AWBs sind Gewässer, die vollständig vom Menschen neu geschaffen wurden, also vorher nicht vorhanden waren, wie beispielsweise Kanäle, Gräben oder Regenauffangbecken.

Für die als HMWB und AWB ausgewiesenen Gewässer gilt als Umweltziel nicht der gute ökologische Zustand, sondern ein abgeschwächtes Ziel: das gute ökologische Potential. Dieses ist allerdings noch nicht abschließend definiert worden. Wie die konkreten Vorgaben für die Bewirtschaftung von HMWBs und AWBs aussehen, ist also bisher noch nicht geklärt.

a. Wie werden erheblich veränderte Gewässer ausgewiesen?

Zur Ausweisung eines Gewässers als erheblich verändert wird auf die Bestandsaufnahme und die Kartierung der Gewässerstrukturgüte Bezug genommen. Die Bestandsaufnahme ermöglicht zunächst einmal eine Analyse der Belastungssituation des Gewässers. Die Gewässerstrukturgüte wird für ganz Niedersachsen ermittelt, regelmäßig aktualisiert und in Karten dargestellt.

Anfänglich hatte man alle Gewässer, die zu mehr als 70% in die Strukturgüteklassen „sehr stark verändert“ und „vollständig verändert“ fielen, als HMWB ausgewiesen. Dies ergab zunächst einen Anteil von 43% HMWB und AWB in Niedersachsen. Diese Ausweisung hat man später zurückgenommen und durch eine neue Ausweisung ersetzt, die zusätzlich die Nutzerinteressen stark berücksichtigt. Dadurch sind in Niedersachsen jetzt 84% der Wasserkörper als HMWB und AWB ausgewiesen worden.

b. Inwiefern wird dadurch die Umsetzung der WRRL bzw. der festgelegten Maßnahmen beeinflusst?

In Niedersachsen sind mit 84% bundesweit die meisten HMWB/AWB ausgewiesen worden. Alle diese Gewässer sind von der Erreichung eines guten ökologischen Zustandes zunächst ausgeschlossen. Da das Bewirtschaftungsziel für die HMWBs noch nicht festgelegt ist, ist bisher unklar, was an diesen Gewässern geschehen wird. Sicher ist nur, dass sich die Maßnahmenumsetzung hierdurch weiter verzögert und dass insgesamt weniger zur Renaturierung getan werden muss.

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Wie wird die vorgeschriebene öffentlichkeitsbeteiligung in Deutschland/ Niedersachsen bis jetzt umgesetzt?
Für die Beteiligung der interessierten öffentlichkeit wurden in Deutschland für jedes Teileinzugsgebiet Runde Tische eingerichtet, die in Niedersachsen „Gebietskooperationen“ heißen. Sie begleiten die Umsetzung der Richtlinie, beispielsweise durch die Beteiligung an der Aufstellung der Bewirtschaftungspläne (BWP) und erarbeiten eigene Vorschläge zu den Gewässern ihres Flussgebietes.

Zur Einbindung der breiten öffentlichkeit in die Umsetzung der WRRL wurden die BWPs zunächst der Bevölkerung im Entwurf ein halbes Jahr lang (vom 22.12.08 bis 22.06.09) ausgelegt. In dieser Zeit konnte jede/r interessierte Bürger/in eine Stellungnahme verfassen und an die zuständigen Behörden schicken. Die Stellungnahmen mussten bei der überarbeitung der Pläne berücksichtigt werden. Die endgültigen Pläne können beim NLWKN, den unteren Wasserbehörden (Landkreise) oder online auf den Seiten des NLWKN und der Flussgebietsgemeinschaften eingesehen werden.

Die meisten Bundesländer haben zusätzlich öffentliche Informationsveranstaltungen und einige haben sogar eigens Exkursionen an Gewässern durchgeführt. Zusätzlich informieren die zuständigen Behörden in der Regel auf eigenen Internetseiten zur WRRL-Umsetzung.

a. Wer sitzt in den Gebietskooperationen (GK)?

In den GK sitzen alle Akteure, die hauptberuflich oder in Verbänden zum Thema Wasser arbeiten: von den Landnutzern über die Behörden und Gemeinden bis hin zu Verbänden und Vereinen.

In der Regel sind in Niedersachsen im Einzelnen beteiligt: Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), die unteren Wasserbehörden, die unteren Naturschutzbehörden, weitere Landkreisvertreter, die Landwirtschaft, die Fischerei/Angler, die Wasser- und Bodenverbände (Unterhaltungsverbände), die Wasserversorger, sowie die Naturschutzverbände und –vereine.

b. Was wurde bis jetzt erreicht und was soll in Zukunft getan werden?

Nachdem im Jahr 2004 die erste Ausweisung von „erheblich veränderten Gewässern“ vorgenommen wurde, ist diese in den GK überarbeitet und 2008 erneut (mit anderem Ergebnis) herausgegeben worden. In der Zwischenzeit wurden in den GK konkrete Maßnahmenvorschläge für die Teileinzugsgebiete erarbeitet, die in Niedersachsen allerdings bisher in den Plänen nicht aufgeführt werden.

In der anstehenden Phase der Maßnahmenumsetzung werden in den GK weiterhin Vorschläge für Maßnahmen erarbeitet und abgestimmt.

Zusätzlich sollen in den GK Trägerschaften für die lokale Durchführung von Maßnahmen entstehen und öffentlichkeitswirksam begleitet werden. Die Maßnahmen können von Gemeinden, Kommunen, Unterhaltungsverbänden und Behörden umgesetzt werden. Finanzielle Mittel für die Umsetzung stehen für Niedersachsen für den Zeitraum von 2010 bis 2015 in Höhe von 123 Mio. Euro zur Verfügung.

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Was ist die Hauptbelastung der niedersächsischen Gewässer?
An einigen Orten kommt es, trotz starker Verbesserung in den letzen Jahrzehnten, besonders durch Einträge aus der Landwirtschaft noch immer zu Nährstoffbelastungen. Diese machen sich besonders im Mündungsbereich der Flüsse und den Küstengewässern bemerkbar, beispielsweise durch das Auftreten von Algenblüten.

Hauptbelastung der Gewässer ist heute allerdings die Beeinträchtigung der Gewässerstruktur oder Hydromorphologie. Begradigung und Uferverbau schneiden Flüsse von ihrer Aue ab, die viele Fische zur Nahrungssuche oder Fortpflanzung erreichen müssen. Wehre, Staustufen und andere Querverbaue hindern Fische und andere Gewässerbewohner an ihren lebensnotwendigen Wanderungen. Die Verschlammung und Versandung der Flüsse versiegelt den Gewässergrund für viele Fische, die ihre Eier am Grund ablegen oder dort ihre Nahrung finden.

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Welche anderen Aspekte umfasst die WRRL, abgesehen vom Gewässerschutz?
Im WRRL-Text wird neben dem Schutz der Gewässer auch der Schutz von wasserabhängigen Landökosystemen festgeschrieben. Dies sind sehr seltene, ständig feuchte Lebensräume wie Auenwälder, Niedermoore oder Bruchwälder.

Außerdem setzt die Richtlinie auch das Ziel einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Ressource Wasser. Wasserdienstleistungen sollen immer kostendeckend sein, Belastungen oder Schäden, die durch Wassernutzungen entstehen, müssen nach dem Verursacherprinzip gehandhabt werden. Hintergrund ist, dass nur dann effektive Einsparungen im Umgang mit Wasser erreicht werden können, wenn die Wassernutzer auch die vollen Kosten (ohne Subventionen oder andere Vergünstigungen) tragen müssen. In Deutschland sind die Wassergebühren, die Privatpersonen zahlen, schon jetzt kostendeckend. Im gewerblichen Bereich wird für viele Wassernutzungen wie Kühlwasser in Kraftwerken, Binnenschifffahrt, oder Beregnung in der Landwirtschaft noch kein kostendeckender Preis gezahlt.

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Welche Schwierigkeiten sind bis jetzt bei der Umsetzung der WRRL aufgetreten?
Schwierigkeiten bei der Umsetzung haben sich in verschiedenen Bereichen ergeben:

  • Die Information und Einbindung der öffentlichkeit ist bis jetzt unzureichend. Die WRRL wird überwiegend noch als bürokratische EU-Vorgabe gesehen. Es fehlt insbesondere an einer wirksamen Vermittlung ihres großen Potentials zur Aufwertung und „Wiederbelebung“ der Landschaft. Ein mögliches Instrument zur Veranschaulichung der Absichten der WRRL wäre die lokale Durchführung von Maßnahmen an Gewässern mit gezielter Einbindung der Bevölkerung, z.B. über Schulen und Vereine.
  • Die Entscheidung keine konkreten Maßnahmen in den Plänen aufzuführen, obwohl sie in den Gebietskooperationen erarbeitet worden sind, bremst die Umsetzung stark und trägt nicht dazu bei, dass für die Bevölkerung ein klareres Bild entsteht.
  • Bisher sieht es so aus, dass in der Maßnahmenplanung drängende Probleme wie die Nitratbelastung des Grundwassers nicht konsequent angegangen werden. Die Absichten sind eher vage und die Festlegung konkreter Maßnahmen fehlt.
  • Die zahlreich beantragten Fristverlängerungen schieben die Umsetzung WRRL zu einem großen Teil zeitlich auf.
  • Einige Vorgaben, nach denen gearbeitet werden soll, sind noch unklar. Dies gilt z.B. für die Bewirtschaftung und Maßnahmenplanung bei HMWBs und AWBs, für die das Umweltziel „gutes ökologisches Potential“ noch nicht klar definiert wurde. Es werden dadurch bei der Umsetzung Spielräume gelassen. Ebenso bezüglich der wasserabhängigen Landökosysteme, für deren Schutz keine näheren Angaben gemacht werden.

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Wie und wo bekomme ich Informationen zu der konkreten Belastungssituation der Gewässer?
Die Belastungssituation ist in den Bewirtschaftungsplänen (BWP) aufgeführt. Im Anhang des BWP gibt es einen Kartenteil, in dem die Belastungen einzeln dargestellt werden. Die BWPs für die einzelnen Flussgebiete sind über die Flussgebietsgemeinschaften abzurufen.

Ab dem 22.12.09 sind auf der Webseite des NLWKN die BWPs für die vier niedersächsischen Flussgebiete abzurufen.

Die Internetseite zur deutschlandweiten Umsetzung der WRRL ist www.wasserblick.net. Auf dieser Seite sind sämtliche öffentlich verfügbare Informationen und Dokumente aufgeführt.

Ab Anfang 2010 werden auf der neuen Internetseite des Projektes Wassernetzplus Niedersachsen-Bremen ebenfalls Informationen zu den Belastungssituationen der Gewässer der Flussgebiete, an denen Niedersachsen und Bremen beteiligt sind (Weser, Ems, Elbe und Rhein), zu finden sein.

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Wo finde ich die konkreten Maßnahmen, die umgesetzt werden sollen?
Die geplanten Maßnahmen sind im Maßnahmenprogramm (MP) aufgeführt. Für jedes Flusseinzugsgebiet (FEG) gibt es ein eigenes MP. Diese sind jeweils auf den Internetseiten der einzelnen Flussgebietsgemeinschaften abzurufen:

Ab dem 22.12.09 sind auf der Webseite des NLWKN die endgültigen MPs für die vier niedersächsischen Flussgebiete abzurufen.

Da man sich in Niedersachsen zu einer relativ unverbindlichen Angebotsprogrammatik entschlossen hat, sind in den Maßnahmenprogrammen keine konkreten und verorteten Maßnahmen aufgeführt. Die Behörden wollen im Einzelnen schauen, wo und wie sich Maßnahmen auf freiwilliger Ebene umsetzen lassen.

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Wo finde ich konkrete Beispiele für Projekte zur Revitalisierung von Flüssen?
Es gibt eine Fülle von Projektbeispielen, die sich überwiegend auf lokaler Ebene mit kleinen Gewässern befassen. Schon seit vielen Jahren engagieren sich Verbände, Vereine und Einzelpersonen im Gewässerschutz: Schulen renaturieren kleine Bäche, Angelvereine schaffen Fischtreppen und Naturschutzgruppen werten Fließgewässerabschnitte ökologisch auf.

Einige Gebietskooperationen sind aktiv an Modellprojekten zur regionalen Umsetzung der WRRL beteiligt. In Niedersachsen sind dies das Modellprojekt Wümme und das Modellprojekt Hunte 25. Andere Gebietskooperationen führen kleine Projekte in Zusammenarbeit mit interessierten Bürgern durch, wie beispielsweise die GK Oker.

Anschauliche und kompetente Informationen rund um das Thema Bach- und Flussrenaturierung gibt es auf der Internetseite des „Bachmannes“ Dr. Ludwig Tent. Von ihm ist auch das Buch „Lebendige Bäche und Flüsse – Praxistipps zur Gewässerunterhaltung und Revitalisierung“ erschienen, das über die Edmund Siemers-Stiftung bezogen werden kann (ISBN 3-89811-546-1).

Der NLWKN hat einen Leitfaden zur Maßnahmenumsetzung herausgegeben, die kostenlos bestellt werden kann unter: http://www.nlwkn.niedersachsen.de/master/C41444797_N41444232_L20_D0_I5231158.html

Eine anschauliche, praxisorientierte Broschüre zum Thema Revitalisierung von Flüssen hat der NABU Niedersachsen herausgegeben: „Wasser – Leben in Bewegung – Möglichkeiten zur Renaturierung erkennen und nutzen!“. Erhältlich beim NABU Landesverband Niedersachsen.

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Was hat die WRRL mit mir zu tun? Wie kann ich mich bei der Umsetzung beteiligen?
Die Beteiligung der öffentlichkeit ist bei der Umsetzung der WRRL explizit vorgeschrieben – das Engagement der Bevölkerung ist also klar erwünscht!. Es gibt dazu verschiedene Möglichkeiten:

  • Durch die Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen zur WRRL wie den Gewässerforen, wo die Gelegenheit besteht sich mit Vorschlägen und Einwänden in die Umsetzung einzubringen.
  • Durch die Mitarbeit in einer Gebietskooperation
  • Zu den Entwürfen der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme konnte sich jede/r Bürger/in durch eine eigene Stellungnahme an der endgültigen Aufstellung der Pläne beteiligen. Auch jetzt, wo die endgültigen Pläne vorliegen, besteht für die Bevölkerung weiterhin die Möglichkeit sich mit Maßnahmenvorschlägen oder allgemeinen Hinweisen an die Behörden zu wenden.
  • Sie können selbst aktiv werden und beispielsweise kleine Aktionen oder Projekte zur Wiederbelebung von heimischen Gewässern in Vereinen, Schulen oder Kommunen anregen oder unterstützen.
  • Sollten Sie in Ihrer Umgebung Entwicklungen feststellen, die nicht mit den WRRL-Zielen überein gebracht werden können, ist ein Hinweis an die Behörden (Landkreis) wichtig. Aber auch das Zustandekommen von erfolgreichen Kooperationen und Projekten muss öffentlichkeitswirksam begleitet werden, damit diese als positive Beispiele sichtbar werden.

Ziel der WRRL ist es, alle Gewässer in einen ökologisch intakten und lebendigen Zustand zu versetzen. Konkret bedeutet das, Bedingungen zu schaffen, durch die Tiere und Pflanzen, die in diesen Lebensräumen einmal gelebt haben, wie z.B. Schwanenblume, Fischotter, Biber, Eisvogel und Lachs wieder zurückkommen können. So wird die Landschaft „wiederbelebt“ und an den Fluss/Bach/See hinter der eigenen Haustür kommt im besten Fall ein Stück Wildnis zurück. Insgesamt gesehen werden so Stadt- und Landschaftsbild erheblich aufgewertet.

Gleichzeitig geht es darum, unsere wichtigste Ressource – das Trinkwasser – zu bewahren. Zurzeit sind über die Hälfte der niedersächsischen Grundwasserkörper mit dem Düngerückstand Nitrat belastet.

Deswegen ist es wichtig, dass die WRRL mehr Rückenwind bekommt. Umso klarer wird dann der Auftrag an die Behörden, die Umsetzung zügig und im Sinne der Gewässerschutzziele durchzuführen.
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