Glossar zur Wasserrahmenrichtlinie

 
Artificial water body (AWB)
= künstlicher Wasserkörper, d.h. er ist vollständig oder ganz überwiegend von Menschen geschaffen worden. An Wasserkörpern, die als AWB eingestuft wurden, ist das gute ökologische Potential zu erreichen.
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Begrenzung des Schadstoffausstoßes
setzt für chemische Belastungen stoffspezifische Grenzwerte.
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Belastungen aus diffusen Quellen
sind flächenhafte Belastungen durch Stoffe, deren Quelle man örtlich nicht eindeutig bestimmen kann. Gemeint ist vor allem der Eintrag von Schadstoffen aus verschiedenen Formen der Landnutzung wie Land- und Forstwirtschaft, aber auch in Form von Abwässern aus Siedlungen, Industrie und Gewerbe.
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Belastungen aus Punktquellen
gehen von einzelnen, genau lokalisierbaren Standorten aus und sind in erster Linie Stoffeinträge von Kläranlagen und Abwasserableitungen aus der Industrie, aber auch aus Altlasten und altlastverdächtigen Flächen (wie z.B. stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen und Industriestandorte).

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Bestandsaufnahme
wurde erstmals 2004 länderweit durchgeführt, um den Zustand der Gewässer in den Flussgebieten einzuschätzen. Der Zustand der Gewässer wird im weiteren Verlauf durch das Monitoring überprüft und bildet eine Grundlage für die Aufstellung der Maßnahmenprogramme.

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Bewirtschaftungsplan (BWP)
ist das zentrale Instrument zur Umsetzung der WRRL und wird von den zuständigen Behörden für jedes Flussgebiet erstellt. Der BWP enthält die Umweltziele, die erreicht werden sollen, die Ergebnisse der Bestandsaufnahme, das Maßnahmenprogramm, sowie Begründungen für die Beantragung von Ausnahmen (wie Fristverlängerungen, Verminderung der Umweltziele oder Ausweisung von HMWBs). Ab 2009 muss alle 6 Jahre ein BWP für jedes Flussgebiet aufgestellt werden, in dem dargelegt wird, inwieweit die WRRL-Ziele durch Maßnahmenumsetzungen erreicht werden konnten.

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Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA)
ist eine Expertengruppe, die von den Umweltministerien der Bundesländer, die in Deutschland für die Umsetzung der WRRL verantwortlich sind, eingesetzt wird. Sie erarbeitet fachliche Grundlagen wie z.B. konkret zu erreichende Ziele in den verschiedenen Gewässertypen.

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Chemischer Zustand
ist sowohl für Grundwasser als auch Oberflächengewässer ein wichtiger Teil der Gesamtbeurteilung des Gewässerzustandes. Der chemische Zustand eines Gewässers wird dann als „gut“ bewertet, wenn keiner der Schwellenwerte für die einzelnen Schadstoffe überschritten wird. Die Schadstoffe und ihre Schwellenwerte sind in einer Tabelle der LAWA aufgeführt.
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Common Implementation Strategy (CIS)
ist eine gemeinsame Umsetzungsstrategie. Die EU-Kommission und die Umweltministerien der Mitgliedstaaten erarbeiten Vorschläge und Ratgeber zur korrekten Umsetzung von WRRL-Vorgaben. Dies geschieht unter anderem durch die Erstellung von Leitfäden und eine kontinuierliche Diskussion in thematischen Arbeitsgruppen. So kann die Umsetzung EU-weit koordiniert werden.

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Durchgängigkeit
bezeichnet die stromauf- und -abwärts gerichtete Wanderungsmöglichkeit für Fische und andere Gewässerbewohner in Fließgewässern. Diese ist für viele Tierarten lebensnotwendig, insbesondere für Fische, die zwischen Meer und Fluss hin und her wandern. Durch so genannte Querverbaue wie Wehre, Staustufen, Wasserkraftanlagen etc. kann die Durchgängigkeit stark eingeschränkt sein.

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Flusseinzugsgebiet (FEG)
ist das Gesamtgebiet, aus dem ein (großer) Fluss oder Strom durch (kleinere) Zuflüsse gespeist wird. Das FEG Weser umfasst bspw. alle Bäche und Flüsse, die in Richtung Weser entwässern. So kommt ein Gebiet zustande, das sich über sieben Bundesländer erstreckt.
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Flussgebietseinheit
ist ein Flusseinzugsgebiet über Staatengrenzen hinweg. So erstreckt sich bspw. das Flussgebiet der Donau von Südosteuropa bis nach Deutschland. Die Anteile der verschiedenen Staaten zusammengenommen bilden die Flussgebietseinheit.

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Gebietskooperation
ist ein Runder Tisch der niedersächsischen Flussteileinzugsgebiete. Hier arbeiten Vertreter aus Behörden, der Landnutzer an den Gewässern, der Städte und Gemeinden sowie aus Umweltverbänden gemeinsam an Vorschlägen für die Zielerreichung nach WRRL. Um konkrete Maßnahmenvorschläge an den einzelnen Gewässern erarbeiten zu können, wurden die FEG in kleinere Teilgebiete aufgeteilt. In Niedersachsen gibt es insgesamt 30 Gebietskooperationen.

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Gewässergüte
bezeichnet den chemischen Zustand eines Gewässers und bezieht sich auf die Grenzwerte für belastende Stoffe. Neben giftigen Substanzen werden v.a. auch Nährstoffe überwacht, die bei zu starken Konzentrationen Massenalgenblüten hervorrufen können.
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Gewässernutzung
bezeichnet die verschiedenen Arten der Nutzung von Gewässern, zwischen denen es häufig zu Interessenskonflikten kommt. Wichtigste Arten der Gewässernutzung sind Trinkwasserentnahme, Betriebswasserentnahme Fischerei, Schifffahrt, Wasserkraftnutzung, landwirtschaftliche Nutzung sowie Nutzung zu Erholungs-, Freizeit- und Gesundheitszwecken.

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Gewässerstruktur
wird auch als Hydromorphologie bezeichnet und umfasst die morphologischen Eigenschaften eines Gewässers wie beispielsweise den Verlauf des Gewässers, die Beschaffenheit des Ufers oder des Gewässerbettes.

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Gewässerstrukturgüte
spielt eine wichtige Rolle für die Beurteilung der ökologischen Funktionsfähigkeit eines Fließgewässers. Parameter zur Beurteilung sind z.B. der Grad der Verbauung oder der Begradigung. Die Strukturgüte wird in 7 Stufen klassifiziert, von Klasse 1 (unverändert) bis Klasse 7 (vollständig verändert). Sie wurde länderweit für alle Gewässer ermittelt und in Karten dargestellt.
Viele Kleinstorganismen, die für die Selbstreinigungskraft des Gewässers dienen und Nahrungsgrundlage für Fische und andere Organismen sind, können Gewässer nur besiedeln, wenn eine ausreichende Strukturgüte ihnen geeignete Lebensgrundlagen schafft.



(Quelle: wrrl-info.de)
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Grundwasser
ist ein Teil des natürlichen Wasserkreislaufs und wird durch versickertes Niederschlagswasser gebildet, das sich an wasserundurchlässigen Schichten im Boden ansammelt. Es fließt einem Oberflächengewässer zu oder tritt als Quelle oberirdisch aus.

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Guter Zustand
bezeichnet das Umweltziel, das die WRRL für alle natürlichen Gewässer in Europa setzt. Die Bewertung bezieht sich auf einen (z.T. halb hypothetischen) Natur- oder Referenzzustand, also den Zustand des Gewässers vor jeglicher Einflussnahme des Menschen. Für Oberflächengewässer werden der ökologische und chemische Zustand, für das Grundwasser der chemische und mengenmäßige Zustand bewertet. Die Bewertung erfolgt in 5 Stufen (sehr gut, gut, mäßig, schlecht, sehr schlecht), wobei beide Bewertungsdimensionen (ökologischer und chemischer bzw. chemischer und mengenmäßiger Zustand) jeweils mindestens als „gut“ eingestuft werden müssen.

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Gutes ökologisches Potential
ist das Umweltziel von Gewässern, die als HMWBs oder AWBs ausgewiesen wurden. Sie sind gegenüber dem guten ökologischen Zustand generell abgeschwächt, weil an stark veränderten Gewässern die Erreichung eines natürlichen Zustandes oft erschwert ist. Um das Ziel zu erreichen, müssen bezüglich der Gewässerflora und -fauna alle Verbesserungen durchgeführt werden, die ohne wesentliche negative Nutzungseinschränkung erreichbar sind. Eine konkrete Definition des guten ökologischen Potentials steht allerdings noch aus.

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Heavily Modified Water Body (HMWB)
sind Gewässer, die durch den Menschen in ihrer ganzen oder überwiegenden Länge in erheblicher Weise verändert worden sind, also z.B. massiv verbaut. Daher müssen HMWBs lediglich das gute ökologische Potential erreichen.

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Hydrologisch
bezieht sich auf die Hydrologie, der Wissenschaft des Wassers, mit seinen Erscheinungsformen über, auf und unter der Landoberfläche, seinen Eigenschaften und seinen natürlichen Zusammenhängen (Kreislauf).

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Küstengewässer
sind der Bereich der See von der Küstenlinie bis eine Seemeile von der Basislinie auf das Meer hinaus (Einmeilenzone). Die normale Basislinie entspricht der Niedrigwasserlinie entlang der Küste. Für die Einmeilenzone gilt das Umweltziel des guten ökologischen und chemischen Zustandes.

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Maßnahmenprogramm (MP)
werden für jede Flussgebietseinheit erstellt und beinhalten die Maßnahmen, durch die die Gewässer in ihren Zielzustand (guter Zustand bzw. gutes ökologisches Potential) gebracht werden sollen. Die Umsetzungsphase beginnt 2010 und dauert 3 Jahre. Das MP ist Teil des Bewirtschaftungsplanes und wird alle 6 Jahre überprüft und angepasst.

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Mengenmäßiger Zustand
wird dann als „gut“ eingestuft, wenn weniger oder zumindest nicht mehr Grundwasser entnommen wird als natürlicherweise nachgebildet werden kann.

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Monitoring
ist ein kontinuierliches Überwachungsprogramm für die Gewässer, das zur Ermittlung des Handlungsbedarfs und zur Beurteilung der Wirksamkeit ergriffener Maßnahmen nach der ersten Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2005 dient. Die Überwachungsprogramme werden zumindest bei jeder Aktualisierung des Bewirtschaftungsplans überprüft und angepasst.

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Oberflächengewässer
sind Küstengewässer, Flussmündungen, Flüsse und Seen.

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Ökologischer Zustand
wird durch Untersuchungen der im Wasser lebenden Organismen, der Gewässerstruktur und dem chemisch-physikalischen Zustand (wie z.B. Sauerstoffgehalt, pH-Wert, Temperatur, vorhandene Nährstoffe) ermittelt. Beim Grundwasser betrachtet man vor allem chemische Belastungen und Grundwasserpegelstände zur Ermittlung der vorhandenen Menge.

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Prioritäre Stoffe
sind Schadstoffe, die für die Bestimmung des guten chemischen Zustandes der Oberflächengewässer relevant sind. Es handelt sich dabei um Stoffe, von denen ein besonders hohes Umweltrisiko ausgeht. Es wurden insgesamt 33 prioritäre Stoffe identifiziert, deren Eintrag es zu reduzieren gilt, um einen guten chemischen Zustand zu ermöglichen. Bis 2020 soll der Eintrag aller als prioritär gefährlich eingestuften Stoffe eingestellt werden. Die Liste der Stoffe muss in den nächsten Jahren erweitert werden.

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Runder Tisch
wurde zur Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit an der lokalen Umsetzung der WRRL für jedes Teileinzugsgebiet eingerichtet. An ihnen sitzen alle Akteure, die hauptberuflich oder in Verbänden vor Ort zum Thema Wasser arbeiten.

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Teileinzugsgebiet
bezeichnet die nach hydrologischen Kriterien weiter unterteilten Flusseinzugsgebiete. Die vier Flussgebiete, an denen Niedersachsen Anteil hat (Weser, Ems, Elbe, Rhein), wurden in insgesamt 52 Teileinzugsgebiete oder auch Bearbeitungsgebiete unterteilt.

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Übergangsgewässer
sind Oberflächenwasserkörper im Übergangsbereich vom Fluss zum Meer. Als Mündungsbereiche oder Ästuare weisen sie einen gewissen Salzgehalt auf, werden neben der Tide aber von der Süßwasserströmung des Flusses bestimmt.

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Umweltziele
(oder auch Bewirtschaftungsziele) sind die Zielsetzungen aus dem Artikel 4 der WRRL, die bis 2015 erreicht werden müssen.

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Verursacherprinzip
ist in der WRRL verankert und verlangt, dass Kosten zur Vermeidung, Beseitigung und zum Ausgleich von Umweltbeeinträchtigungen dem Verursacher dieser Schäden angelastet werden.

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Wasserkörper
ist die kleinste Betrachtungseinheit nach WRRL, wie z.B. ein See oder ein Abschnitt eines Fließgewässers. Man unterscheidet zwischen Oberflächenwasserkörper und Grundwasserkörper. In den Anhängen der BWP werden Angaben zu jedem einzelnen Wasserkörper des jeweiligen Flusseinzugsgebietes gemacht.

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Wasserabhängige Landökosysteme
sind überwiegend sehr selten gewordene Lebensräume wie Auenwälder, Niedermoore oder Bruchwälder. Sie sind auf eine kontinuierliche Wasserversorgung entweder aus dem Grundwasser oder über Oberflächengewässer angewiesen und verschwinden, wenn sie von dieser Wasserversorgung abgeschnitten werden.

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Wasserrahmenrichtlinie
heißt mit vollem Namen „Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober 2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik“ – kurz auch WRRL genannt. Durch den Ordnungsrahmen werden für alle EU-Mitgliedsstaaten einheitliche Vorgaben für den Gewässerschutz und den Umgang mit den Wasserressourcen festgelegt, die rechtlich verbindlich sind.
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